Habt ihr schon einmal von “solidarischer Landwirtschaft” gehört?
Dabei geht es um eine gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft, die ihren Mitgliedern den Zugang zu frischen, regionalen Lebensmitteln eröffnet.Kurz gesagt, finden sich private Haushalte zusammen, die mit einem oder mehreren Landwirten zusammen arbeiten. Eine SoLaWi-Gruppe garantiert dem Bauer die Abnahme von Lebensmitteln und gibt diese an die Mitglieder weiter. Die landwirtschaftliche Erzeugung der Produkte, wird von den Mitgliedern vorfinanziert.
Menschen mit mehr finanziellen Möglichkeiten, zahlen etwas mehr in die Gruppenkasse. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, zahlt zwar weniger Geld ein, arbeitet dafür aber mehr am Hof mit.
Etwas genauer bitte!
Zunächst sollte erstmal der Begriff Solidarität in seiner Bedeutung klar sein:
Solidarität ist ein Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens ein Gefühl von Individuen und Gruppen, zusammen zu gehören. Dies äußert sich in gegenseitiger Hilfe und dem Eintreten füreinander. Solidarität kann sich von einer familiären Kleingruppe bis zu Staaten und Staatsgemeinschaften erstrecken.
Wer hat was davon? Wer macht was?
Dieses Prinzip ist eigentlich eine Garantie für eine Win-Win-Situation beider Seiten. Die Verantwortung wird gemeinsam getragen, Arbeit wird verteilt und Gewinne werden geteilt.
Es entsteht eine lebendiger und lokaler Wirtschaftskreislauf.
Die Mitglieder
Sie haben Zugang zu frischen und regionalen Lebensmitteln. Je nachdem mit welchen Landwirten sie zusammen arbeiten, kann es sich um Obst, Gemüse und / oder tierische Produkte handeln.
Die Qualität und Transparenz dieser Produkte ist ein weiterer Pluspunkt.
Die Mitglieder finanzieren durch Beiträge die Landwirtschaft vor. Das heißt, im Grunde zahlen sie ihre Lebensmittel, bevor sie überhaupt gewachsen sind. Diese Bereitschaft setzt natürlich ein großes Vertrauen in den Landwirt voraus.
Das wieder rum kann sich nur durch lokale Nähe und direkten Kontakt aufbauen.
Stehen auf dem landwirtschaftlichen Hof besonders arbeitsintensive Zeiten an, unterstützen die Mitglieder den Bauern durch gezielte Arbeitseinsätze. Zum Beispiel Obsternte oder Kartoffeln setzen.
Der Landwirt
Dem Bauern werden zwei entscheidene Risiken genommen.
Die Vorfinanzierung durch die Mitglieder nimmt einen großen Teil des Finanzierungsdrucks von den Schultern des Landwirtes und verteilt sie auf die Schultern aller Mitglieder. Er hat Einnahmen in dem Moment, wo bei ihm Kosten anfallen. Das ist in landwirtschaftlichen Betrieben nun mal lange Zeit bevor ein Produkt verkauft werden kann.
Wenn geerntet wird, sind die frischen Produkte da und der Bauer ist darauf angewiesen, genau jetzt Kunden für das jeweilige Obst oder Gemüse zu finden. In der SoLaWi ist diese Abnahme aber ebenfalls durch die Mitglieder garantiert.
Diese freuen sich ja auch schon darauf: Schließlich haben sie es schon bezahlt und außerdem haben sie auch aktiv an der Entstehung der Produkte mitgewirkt.
Fazit:
Das Prinzip von SoLaWi ist eine interessante Möglichkeit, für Menschen, die ohne eigenen Garten gesunde Lebensmittel für ihre Versorgung beziehen möchten. Auch als Ergänzung zum eigenen – vielleicht sehr kleinen – Garten eignet sich so eine selbst organisierte Initiative.
Doch nicht nur “Gartenmangel” kann ein Grund für den Beitritt in eine solche Gruppe sein. Es soll sie ja auch geben: Menschen die zwar auf gesunde und regionale Lebensmittel schwören, aber überhaupt keine Lust haben, einen eigenen Garten zu bewirtschaften.
Für mich gehört SoLaWi eindeutig in den Bereich der modernen Selbstversorgung.Nicht jeder baut zwar sein Gemüse dadurch wirklich selbst an. Jedoch nimmt jedes Mitglied in seiner Art und Weise direkt auf Einfluss auf die Produktion.
Wenn das für euch interessant klingt, nutzt doch mal eine Suchmaschine mit “SoLaWi oder solidarische Landwirtschaft + eurem Wohnort“. Es gibt bereits erstaunlich viele Gruppen.
Eine sehr informative Seite zur solidarischen Landwirtschaft findet ihr hier. Dort findet ihr unter anderem eine Anleitung, wenn ihr selbst eine solche regionale Gruppe gründen möchtet, sowie eine Übersicht themenrelevanter Veranstaltungen und Termine.